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Wir sind im März oben angekommen und haben erst mal geschluckt. Der See war fast leer. Kein Vollspiegel, kein blaues Postkartenbild, sondern ein breites Tal aus trockenem Seeboden, abgestorbenen Wurzeln und einem schmalen Wasserstreifen, der sich durch die Mitte zog. Und trotzdem, oder gerade deswegen, war es einer der eindrücklichsten Orte die wir seit Langem gesehen haben.
Die Schwarzenbachtalsperre bei Forbach ist der größte Stausee im Nordschwarzwald. 400 Meter Staumauer, 65 Meter hoch, seit 1926 in Betrieb. Kein Eintritt, kein Trubel im Winter, freier Parkplatz direkt vor der Mauer. Wer hier war, versteht sofort, warum wir alle die wir hergebracht haben jedes Mal dieselbe Reaktion hatten: „Das hatten wir nicht erwartet.“
Inhalt
Eindrücke vom März 2026 ↓
Anfahrt zur Schwarzenbachtalsperre und Parken
Die Schwarzenbachtalsperre liegt auf 668 Metern Höhe im Landkreis Rastatt in Baden-Württemberg, ca. 10 km von Forbach entfernt, direkt an der Landesstraße L 83. Diese Straße verbindet das Murgtal mit der Schwarzwaldhochstraße B 500, also ideal für alle die von der Hochstraße kommen oder aus dem Tal auffahren wollen.
Der Parkplatz direkt an der Staumauer ist kostenlos und hat ausreichend Platz. Bei unserem Besuch im März waren kaum andere Autos da, im Sommer soll sich das laut allen Berichten deutlich ändern. Wer an Wochenenden im Sommer kommt, sollte morgens früh da sein.
Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen will: Die Buslinie 263 des KVV fährt von Forbach und von der Schwarzwaldhochstraße zur Talsperre, vorab Fahrplan prüfen.
Die Schwarzenbachtalsperre: Staumauer, Rundweg und was euch erwartet
Vom Parkplatz geht ihr direkt auf die Staumauer zu. Ihr steht dann auf der Krone, 400 Meter Beton unter euren Füßen, und habt rechts den Stausee und links den freien Blick ins Tal Richtung Murgtal. Das dauert keine zwei Minuten ab dem Auto, und der Effekt ist trotzdem sofort da.
Die Staumauer: 400 Meter, 65 Meter hoch
Die Schwarzenbachtalsperre ist eine Gewichtsstaumauer aus Beton, fertiggestellt 1926. Vier Jahre Bauzeit, über 2.000 Arbeiter aus vielen Ländern, zunächst gesprengt mit flüssiger Luft weil Dynamit fehlte. Das klingt nach Abenteuer und war es wohl auch. Deutschlands erste Gussbeton-Talsperre.
Die Mauer ist 65,3 Meter hoch und an der Basis 48 Meter dick. Wer das nicht glaubt, schaut am besten von oben über die Luftseite hinunter. Dieser Moment ist nichts für Menschen mit Höhenangst.
An der Anlage hängt eine EnBW-Infotafel die das komplette Rudolf-Fettweis-Werk erklärt. Stausee, Druckstollen, Krafthaus in Forbach. Wir haben uns da länger aufgehalten als geplant. Die Tafel zeigt auch, welche Teile des Kraftwerks wann gebaut wurden, ein kleines Stück Industriegeschichte mitten im Wald.
Der Rundweg ums Wasser: 6,5 km
Der Rundweg führt das Nordufer entlang auf einer Höhe oberhalb des Sees und auf der Südseite durch den Wald zurück. Insgesamt rund 7 Kilometer, nur 120 Höhenmeter, kaum anstrengend. Gut auch für Kinder geeignet solange man nicht auf den schmaleren Pfaden ans Ufer abbiegt. Der Schwarzenbach selbst fließt oberhalb des Sees und speist die Talsperre zusammen mit dem Seebach.
Der Weg hat zwei klar unterschiedliche Hälften. Die ersten rund 4 Kilometer im südlichen Bereich verlaufen direkt am Wasser entlang, mit durchgehend offenen Blicken auf den See. Das ist der Teil für die Augen. Nach einer Brücke wechselt die Kulisse komplett: Man taucht in den Wald ein, es wird ruhiger, und irgendwann kommt ein kleiner Wasserfall der auf keiner Karte eingezeichnet ist. Das ist der Teil für die Seele. Sandra hat an dieser Stelle kurz gestoppt und nichts gesagt. Das reicht als Empfehlung.
Die Mauerkrone: 400 m, flach, gut begehbar
März 2026: Seeboden fast vollständig trocken
Was der See über seine Technik verrät
An der Mauer und entlang des Weges finden sich mehrere Infotafeln die erklären wie das Pumpspeicherkraftwerk funktioniert. Das System ist im Grunde eine gigantische Batterie: Wenn mehr Strom produziert wird als verbraucht, pumpen die Turbinen Wasser von unten nach oben in den Stausee. Wenn Strom gebraucht wird, läuft das Wasser wieder hinunter durch die Turbinen und erzeugt Strom.
In die Mauer sind 24 Ablassrohre unterhalb der Krone eingebaut. Sie sorgen dafür, dass die Konstruktion bei Hochwasser nicht überlastet wird. Über einen 1,7 km langen unterirdischen Stollen fließt das Wasser vom See zu einem Wasserschloss am Berghang, von dort geht es oberirdisch weiter zu den Turbinen in Forbach hinunter. Bei einer Sanierung in den 1990er Jahren wurde die seeseitige Betonverschalung um rund 20 cm verstärkt, der See war dafür vollständig entleert.
Der Druckstollen führt das Wasser auf 1,6 km Länge durch den Berg, dann fällt es in einer 881 Meter langen Rohrleitung mit starkem Gefälle zu den Turbinen in Forbach hinunter. Maximalleistung laut Infotafel vor Ort: 43 MW. Alle technischen Details zum Kraftwerk hat die EnBW auf ihrer Seite zum Rudolf-Fettweis-Werk zusammengefasst.
Warum ist die Schwarzenbachtalsperre manchmal fast leer?
Das ist die Frage die wir uns gestellt haben und die kaum ein anderer Artikel beantwortet. Wenn man vor Ort steht und breite Schlammbänder sieht statt eines vollen Sees, denkt man zuerst an Dürre oder Sanierung. Beides stimmt nicht unbedingt.
Die Schwarzenbachtalsperre ist das Oberbecken eines Pumpspeicherkraftwerks. Sie funktioniert wie eine Batterie im Stromnetz. Wenn zu viel Strom im Netz ist, also nachts oder wenn viel Solar und Windkraft produziert wird, pumpt das Kraftwerk Wasser aus dem Murgtal hinauf in den Stausee. Wenn Strom gebraucht wird, läuft das Wasser durch Turbinen zurück hinunter und erzeugt Strom.
Das bedeutet: Der Wasserstand schwankt ständig und manchmal stark. Im Winter kommt weniger Zufluss, der Verbrauch durch den Pumpspeicherbetrieb kann höher sein, und so kann der See im Frühjahr erheblich leerer sein als im Sommer.
1944 war die Talsperre übrigens Ziel amerikanischer Bombenangriffe. Die Staumauer wurde trotz direkter Treffer nur leicht beschädigt, weil die Bomber nicht mit ausreichend großen Bomben beladen waren. Das ist kein Zufall sondern Ingenieursleistung: Die 48 Meter Dicke an der Basis macht die Mauer extrem widerstandsfähig.
Schwimmen, Baden, Bootfahren an der Schwarzenbachtalsperre
Darf man schwimmen? Darf man auf die Mauer? Das sind die beiden Fragen die uns am meisten gestellt werden, und die Antwort ist bei beiden dieselbe: Vorab die Schilder vor Ort prüfen.
Bei unserem Besuch im März 2026 standen an der Staumauer und am Zugang deutliche Verbotsschilder. Schwimmen verboten, Mauer gesperrt. Andere Quellen schreiben, das Baden werde normalerweise geduldet. Das kann sich je nach Betriebszustand des Kraftwerks, Blaualgenwarnung oder Sanierungsmaßnahmen jederzeit ändern. Wir verlassen uns auf das was vor Ort steht, nicht auf das was woanders online steht.
Was hingegen möglich ist, wenn geöffnet: Bootfahren. An der Staumauer gibt es einen Bootsverleih mit Tret-, Ruder- und Elektrobooten. Das Bootsverleih-Häuschen ist saisonal, vorab öffnet es laut Angaben der Nationalparkregion Schwarzwald wieder ab 1. Mai 2026. Preise: vorab prüfen.
Gastronomie, Toiletten und praktische Infos an der Talsperre
Direkt am Parkplatz und an der Einfahrt zur Staumauer gibt es zwei Kioske. Das ist mehr als die meisten anderen Ausflugsziele in dieser Kategorie bieten.
Der erste Kiosk liegt direkt am Eingang der Talsperre, auf der Seite wo man die Mauer betritt. Eine sehr nette Frau betreibt ihn. Wir haben dort länger gestanden als geplant, gutes Gespräch, gute Pause. Klar empfehlenswert. Der zweite Kiosk liegt auf der gegenüberliegenden Seite neben dem Parkplatz. Beide sind saisonal, im Winter und frühen Frühjahr teils geschlossen. Preise: Snacks und Getränke im normalen Rahmen, kein Restaurant-Niveau.
Das ehemalige Hotel Schwarzenbach direkt am Westufer des Sees ist seit 2011 geschlossen und verfällt. Es ist von der Straße aus sichtbar. Gastronomie gibt es dort keine mehr.
Toiletten befinden sich am Parkplatz. Barrierefrei ist die Staumauer gut zugänglich, der Weg über die Mauerkrone ist flach und asphaltiert. Der Uferweg am Nordufer ist größtenteils gut begehbar, einzelne Abschnitte die zum Wasser hinunterführen sind uneben und nicht für Kinderwagen geeignet. Der Parkplatz selbst ist eben und groß genug.
Wer mit dem Hund kommt: Erlaubt, Leine am Ufer empfohlen. Wasser ist vorhanden, die Zubringerbäche sind gut zugänglich.
Was ihr noch kombinieren könnt
Die Lage der Schwarzenbachtalsperre macht sie zu einem guten Ausgangs- oder Zwischenpunkt für längere Touren in der Region.
Wer von der Schwarzwaldhochstraße kommt, hat die Talsperre quasi auf dem Weg. Von Sand auf der Hochstraße sind es nur wenige Kilometer. Der Besuch der Staumauer passt gut als Ergänzung zu einer Tour auf der Hochstraße.
Wer wandern will, kann von der Talsperre aus zum Herrenwieser See weiterlaufen, einem der letzten Karseen im Schwarzwald. Das ist ein Abstecher von ca. 3 km am Seebach entlang. Wir haben das bei unserem Besuch wegen aufziehender Gewitter nicht geschafft, dafür gibt es bei uns einen eigenen Artikel sobald wir dort waren.
Die Hornisgrinde liegt ebenfalls in der Nähe. Vom Parkplatz auf der Hornisgrinde sind es nur wenige Kilometer bis zur Abzweigung zur Talsperre. Wer beide Orte kombiniert hat einen guten Halbtag im Nordschwarzwald.
Häufig gestellte Fragen zur Schwarzenbachtalsperre
Kann man in der Schwarzenbachtalsperre schwimmen?
Schwimmen ist offiziell verboten. Bei unserem Besuch im März 2026 waren entsprechende Verbotsschilder deutlich sichtbar. Andere Quellen schreiben, es werde geduldet. Vorab vor Ort prüfen und auf aktuelle Beschilderung achten.
Wann wird die Schwarzenbachtalsperre abgelassen?
Die Schwarzenbachtalsperre wird nicht regelmäßig komplett abgelassen. Der Wasserstand schwankt durch den Pumpspeicherbetrieb stark. Vollständige Entleerungen zur Sanierung gab es zuletzt 1997. Der niedrige Stand, den man aktuell sehen kann, hat betriebliche Ursachen.
Warum ist die Schwarzenbachtalsperre so leer?
Die Talsperre ist das Oberbecken eines Pumpspeicherkraftwerks. Bei Energieüberschuss wird Wasser aus dem Murgtal hochgepumpt, bei Energiebedarf wird es wieder abgelassen. Das erklärt die teils deutlichen Schwankungen des Wasserstands, besonders im Winter und Frühjahr.
Wie tief ist die Schwarzenbachtalsperre?
Die Staumauer ist 65,3 Meter hoch. Der Stausee fasst bei vollem Stand rund 14,4 Millionen Kubikmeter Wasser. Der Auslegungs-Staupegel liegt auf 668,5 Metern über Normalnull.
Darf man auf die Mauer der Schwarzenbachtalsperre?
Das Betreten der Mauerkrone ist verboten. Bei unserem Besuch im März 2026 waren entsprechende Verbotsschilder klar sichtbar. Bitte unbedingt beachten.
🏔️ War die Schwarzenbachtalsperre ein Erlebnis für euch?
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