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Wir sind an einem Dienstag im März dort hingefahren. Kurz nach neun Uhr morgens. Auf dem Parkplatz standen drei andere Autos. An einem Wochenende im Sommer wäre das hier eine völlig andere Geschichte. Dienstags im März: fast allein an einem der schönsten Orte des Schwarzwalds, mit dem Rauschen des Wassers als einzigem Begleiter.
Die Allerheiligen Wasserfälle bei Oppenau im Nationalpark Schwarzwald sind mehr als ein Wasserfall. Wer nur die Wasserfälle erwartet, bekommt oben drauf noch mittelalterliche Ruinen, einen Barockgarten, eine modern gebaute Wallfahrtskirche, Natur, Geschichte und Stille. Es lohnt sich, den ganzen Weg zu gehen und alles zu erleben.
Inhalt
Eindrücke vom März 2026 ↓
Anfahrt zu den Allerheiligen Wasserfällen und Parken
Von der Schwarzwaldhochstraße B500 kommend zweigt am Ruhestein die K5371 Richtung Oppenau ab. Man fährt dann durch das ruhige Lierbach-Tal, vorbei an Wiesen und kleinen Höfen, bis nach wenigen Kilometern rechts das Schild für die Allerheiligen Wasserfälle auftaucht. Es ist gut ausgeschildert und kaum zu verpassen. Aktuelle Informationen zur Anfahrt findet ihr auch auf der Website des Nationalparks.
Es gibt zwei Parkmöglichkeiten, beide kostenlos. Der erste Parkplatz liegt direkt am unteren Eingang, von dort startet man sofort in Richtung Wasserfälle. Der zweite Parkplatz liegt etwas weiter oben direkt bei der Ruine. Wer nur die Ruine und die Kirche besuchen möchte und sich die Stufen sparen will, kann dort parken und ist in fünf Minuten beim Klosterhof. Wir empfehlen: unten parken und den ganzen Weg von Anfang an gehen. So erlebt man den Ort in der richtigen Reihenfolge.
🚌 Bus: Haltestelle „Allerheiligen“, Fahrplan über bwegt.de
→ Route in Google Maps öffnen
Allerheiligen Wasserfälle: Der komplette Weg durch Schlucht, Ruine und Kirche
Was die Allerheiligen Wasserfälle von anderen Ausflugszielen unterscheidet: Man läuft keinen langweiligen Rundweg bei dem man nach der Hälfte schon weiß was kommt. Hier öffnet sich der Weg Stufe für Stufe. Jede Kurve zeigt etwas Neues. Und oben angekommen wartet ein Ort der einem den Atem verschlägt, obwohl man gerade selbst schon etwas außer Atem ist.
Vom Parkplatz nach oben
Vom unteren Parkplatz führt ein breiter, ebener Kiesweg direkt zum Eingang. Das hölzerne Eingangstor mit dem Schild „Allerheiligen Wasserfälle“ und dem Nationalpark-Logo ist der erste schöne Fotostopp. Gleich dahinter beginnt man das Rauschen des Lierbachs zu hören. Das Wasser kommt von den Grinden oben, fließt als Grindenbach durch das Tal und fällt dabei über mehrere Kaskaden insgesamt rund 83 Meter in die Tiefe.
Der erste Abschnitt bis zur kleinen Brücke ist flach, breit und barrierefrei. Auch mit Rollstuhl oder Kinderwagen ist man hier gut unterwegs. Schon dieser kurze Abschnitt lohnt sich: Die Felsen links und rechts sind mit tiefgrünem Moos bedeckt, das Licht bricht durch die Bäume und das Rauschen des Wassers wird mit jedem Schritt lauter.
Der untere Wasserfall, moosbewachsen und wild
Blick von oben ins Tal
Die Stufen: der Kern des Erlebnisses
Ab der Brücke beginnen die Stufen. Viele davon. Der Weg führt auf schmalen, verwurzelten Pfaden entlang der Felsenwände, immer wieder mit Blick auf neue Kaskaden. Es sind nicht drei Wasserfälle die man einfach so nebeneinander sieht. Man erarbeitet sie sich. Den ersten sieht man fast auf Augenhöhe. Der zweite öffnet sich nach einer Kurve und man schaut auf einmal von oben auf das Wasser hinunter. Den dritten hört man erst, bevor man ihn sieht.
Von der sogenannten Engelskanzel, einem schmalen Felsvorsprung über den Wasserfällen, hat man einen freien Blick durch die gesamte Schlucht. Man steht auf dem Felsen, der Blick öffnet sich nach unten, und das Rauschen kommt von allen Seiten. Das ist einer der eindrucksvollsten Momente des ganzen Weges.
Oben: Kriegerdenkmal, Barockgarten und Klosterhof
Nach dem Aufstieg tritt man in eine andere Welt. Die Enge und der Lärm weichen plötzlich einer ruhigen, weitläufigen Anlage. Als erstes kommt man zum Kriegerdenkmal des Badischen Schwarzwaldvereins. Die Inschrift „seinen Helden im Weltkrieg von 1914 bis 18, 1939 bis 45“ ist in den Stein gemeißelt, darunter die Jahreszahl 1925. Wer hier steht und die Stille hört, versteht warum man solche Denkmäler mitten in die Natur gebaut hat.
Von dort geht es weiter zum Klosterhof mit seinem Barockgarten. Die langen Wasserbecken mit den kleinen Springbrunnen, die Sonnenstrahlen auf dem Wasser, die Berghänge ringsum. Hier sind auch die öffentlichen Toiletten zu finden, in der Höhe der Restaurants. Am unteren Startpunkt gibt es keine, das sollte man wissen bevor man die Stufen hochsteigt.
Wir haben uns hier auf eine der Bänke gesetzt und einfach nichts getan. Das Wasser der Becken plätschert leise, die Berge stehen ringsum, und von unten hört man noch ganz schwach das Rauschen der Wasserfälle. Das war genau richtig.
Klosterruine Allerheiligen: Geschichte, Sagen und 800 Jahre in Stein
Der Ort gehört zu den besterhaltenen mittelalterlichen Ruinen im Nordschwarzwald. Das Kloster wurde im 12. Jahrhundert gegründet. Die Sage erzählt: Herzogin Uta von Schauenburg schickte einen Esel los, der von Oberkirch nach Oppenau lief. Dort wo er einen Sack Gold abwarf, wurde das Kloster gegründet. 1803 wurde es im Zuge der Säkularisierung aufgelöst. Was blieb, sind die Ruinen. Und die sind bemerkenswert gut erhalten.
Die gotischen Bögen der ehemaligen Kirche stehen noch vollständig. Man kann durch die offenen Fenster in den Himmel schauen, die alten Sandsteinpfeiler anfassen, und sich vorstellen wie es hier ausgesehen haben mag als noch Mönche durch diese Gänge liefen. Es gibt auch ein kleines Museum mit einem mittelalterlichen Eingangstor. Wer sich für Geschichte interessiert, sollte sich Zeit nehmen.
Sandra & Alex in der Ruine
Von oben: Ruine, Tal und Dorf in einem Bild
Die Wallfahrtskirche Allerheiligen: modern, still und überraschend schön
Direkt neben der Ruine steht die neue Wallfahrtskirche Allerheiligen. Von außen ein moderner Backsteinbau mit einem schlanken Turm und großen Glasfronten, was neben den alten Mauern der Ruine im ersten Moment etwas überrascht. Innen dann: absolute Stille. Helles Holz, weiße Wände, schlichter Altar. Das Licht fällt durch die hohen Fenster in die Kirche und taucht den Raum in ein gleichmäßiges, ruhiges Leuchten.
Wir sind hineingegangen ohne große Erwartungen und haben uns auf eine der Holzbänke gesetzt. Zehn Minuten einfach sitzen. Das war mehr Erholung als der gesamte Aufstieg. Wer religiös ist, findet hier Andacht. Wer es nicht ist, findet trotzdem Ruhe.
Die neue Kirche von außen
Innen: hell, schlicht, überraschend schön
Unser Eindruck: warum die Allerheiligen Wasserfälle so besonders sind
Was uns hier jedes Mal wieder überrascht, ist der Kontrast. Unten im Tal: Lärm, Kraft, Wasser das über Felsen donnert und so laut ist, dass man sich fast zurufen muss. Oben beim Klosterhof: absolute Stille. Ein Barockgarten in dem nur die Springbrunnen plätschern, Bänke an denen niemand sitzt, alte Mauern die 800 Jahre Geschichte tragen.
Das Besondere ist nicht der einzelne Wasserfall. Es ist der ganze Weg. Der Weg, die Stufen, die Engelskanzel, die Ruine, der Garten, die Kirche. Kein anderer Ort in der Region bietet so viel zu erleben auf so kurze Distanz. Und das alles kostenlos, ohne Reservierung, ohne Stress.
Auch im Winter lohnt sich der Besuch. Das Tal schützt vor Wind, die Wassermassen nach Regen sind beeindruckender als an trockenen Tagen, und im Winter bilden sich Eisformationen an den Felsen die man so sonst nirgends sieht. Fast niemand ist dann hier. Fast surreal schön.
Gastronomie, Toiletten und praktische Infos
Oben am Klosterhof gibt es zwei Einkehrmöglichkeiten. Eine Weingutschenke und eine Gaststätte, die regionale Küche serviert. Bei unserem Besuch hatten beide geschlossen. Die Öffnungszeiten sind saisonal und nicht täglich. Unsere Empfehlung: Öffnungszeiten vorher prüfen. Wenn geöffnet, ist eine Einkehr nach dem Aufstieg natürlich sehr verlockend.
Toiletten gibt es erst oben beim Klosterhof. Am unteren Startpunkt gibt es keine. Das sollte man einplanen bevor man die Stufen hochsteigt. Am Eingang steht die Spendenkasse des Freundeskreises Nationalpark Schwarzwald. Ein kleiner Beitrag ist gut investiert: Der Verein unterstützt die ehrenamtlichen Ranger und Naturschutzprojekte im Park.
Was ihr noch kombinieren könnt
Der Ort liegt ideal als Teil einer größeren Tour auf der Schwarzwaldhochstraße B500. Direkt auf dem Weg liegt der Ruhestein mit dem kostenlosen Nationalparkzentrum, von dem aus regelmäßig geführte Touren starten und der Lotharpfad, einer der faszinierendsten Erlebnispfade im Nationalpark. Weiter nördlich auf der B500 liegen Mummelsee und Hornisgrinde.
→ Schwarzwaldhochstraße: Alle 15 Stopps auf einen Blick
Für alle die mehr entdecken möchten: Das Nationalparkzentrum Ruhestein bietet das ganze Jahr über geführte Touren und Wanderungen an. Es lohnt sich, mindestens einen halben Tag einzuplanen und die Region in Baden-Württemberg auf eigene Faust zu erkunden. Wer das Renchtal weiter entdecken möchte, findet in Oppenau und Lautenbach weitere schöne Ausflugsziele.
Häufig gestellte Fragen zu den Allerheiligen Wasserfällen
Wie lang ist der Weg zu den Allerheiligen Wasserfällen?
Der Sagenrundweg Allerheiligen ist ca. 3,5 km lang mit 130 Höhenmetern und dauert etwa 2 Stunden. Man startet oben an der Ruine, geht am Wasser vorbei vorbei durch die Schlucht, und kehrt über einen breiteren Treppenweg zurück. Wer nur die Wasserfälle sehen möchte, geht vom unteren Parkplatz und kommt mit ca. 1,5 km und 40 Minuten aus.
Kostet der Eintritt zu den Allerheiligen Wasserfällen etwas?
Nein, der Eintritt ist kostenlos. Es gibt eine freiwillige Spendenkasse am Eingang für den Freundeskreis Nationalpark Schwarzwald. Auch das Parken ist kostenlos, direkt am unteren Eingang sowie am oberen Parkplatz weiter oben.
Sind die Allerheiligen Wasserfälle barrierefrei?
Teilweise. Der untere Abschnitt bis zur ersten Brücke ist eben und mit dem Rollstuhl erreichbar. Das letzte Wegstück an der oberen Schlucht ist ebenfalls mit einem Kinderwagen befahrbar. Der mittlere Teil mit den Stufen ist für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen nicht geeignet.
Gibt es Toiletten und Gastronomie bei den Allerheiligen Wasserfällen?
Toiletten gibt es am unteren Startpunkt keine. Erst oben beim Klosterhof, in der Höhe der Restaurants, sind öffentliche WC vorhanden. Oben gibt es zwei Einkehrmöglichkeiten mit saisonalen Öffnungszeiten. Am besten vorab prüfen und im Zweifelsfall eigene Verpflegung mitbringen.
Wann sind die Allerheiligen Wasserfälle am schönsten?
Nach starkem Regen sind die Wassermassen am beeindruckendsten. Unter der Woche morgens ist es fast menschenleer, ideal für Wanderer die Ruhe suchen. Im Winter bilden sich Eisformationen an den Felsen. Da das Tal früh im Schatten liegt, lohnt ein Besuch am Vormittag. Selbst bei großer Hitze bleibt es im Tal angenehm kühl.
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